{"id":832,"date":"2016-04-02T10:05:58","date_gmt":"2016-04-02T09:05:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkenntnis.pub\/blog\/?p=832"},"modified":"2016-04-02T10:06:16","modified_gmt":"2016-04-02T09:06:16","slug":"im-horizont-des-atheisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.erkenntnis.pub\/blog\/?p=832","title":{"rendered":"Im\u00a0Horizont des Atheisten"},"content":{"rendered":"\n<!-- FB Like Button Starbit IT Solutions BEGIN -->\n<div class=\"fb-like\" data-href=\"https:\/\/www.erkenntnis.pub\/blog\/?p=832\" data-layout=\"standard\" data-action=\"like\" data-show-faces=\"false\" data-size=\"small\" data-width=\"450\" data-share=\"\" ><\/div>\n<!-- FB Like Button Starbit IT Solutions END -->\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Richard Dawkins zum F\u00fcnfundsiebzigsten<\/p>\n<p>Ehrlich \u2013 ich beneide ihn um die Naivit\u00e4t, mit der er alles, aber auch alles von dem Universum erwartet, das ihn umschlie\u00dft. Wenn man nur alles dar\u00fcber w\u00fcsste \u2013 w\u00fcrde man, ich traue es ihm zu, so zu denken, auch Unsterblichkeit erlangen k\u00f6nnen. Solch grunds\u00e4tzlicher kindlicher Optimismus ist bewundernswert.<\/p>\n<p>Aber manche Dinge versteht er dann doch nicht. Zum Beispiel kann er mit dem Ph\u00e4nomen Religion \u00fcberhaupt nicht umgehen. Das sieht man aus jeder Zeile, die er in seinen religionskritischen Werken verfasst. Sie bleiben s\u00e4mtlich an der Oberfl\u00e4che eines schlechten Religionsunterrichts \u2013 den er vielleicht auch nur genossen hat \u2013 stecken. Das psychologische Motiv des Religi\u00f6sen bleibt unverstanden. Dabei ist es nicht schwer zu benennen: Religion entsteht dann, wenn ein Mensch einen von ihm nicht \u00a0beeinflussbaren Sachverhalt dennoch zu beeinflussen versucht, weil es ihn schlicht \u00e4rgert, dass er es nicht kann. So sind den auch die Religionen in ihren Anf\u00e4ngen magisch orientiert. Sie wollen \u00a0etwas zwingen oder wenigstens kontrollieren, das sich ihnen in Wahrheit entzieht. Der Mensch kann den Lauf der Gestirne nicht beeinflussen, er kann den Tod nicht aus der Welt schaffen, weil er notwendig zum universalen Recycling des Lebens in dieser Welt geh\u00f6rt \u2013 aber auf der andern Seite mag er, weil er in sich selber ganz andere Kr\u00e4fte sp\u00fcrt, diesen Umstand auch nicht gelten lassen. Das Ergebnis dieses Zwiespalts sind die Religionen und das ist es, was Dawkins, ausschlie\u00dflich fokussiert auf eine sp\u00e4te Version von Religion, nicht \u00a0begreifen kann.<\/p>\n<p>Dabei k\u00f6nnten ihn seine eigenen Beobachtungen wie er sie im \u201eGotteswahn\u201c angestellt hat, eines Besseren belehren \u2013 aber er ist unf\u00e4hig. deren Tragweite zu erkennen, eben weil ihm die Einsicht in die von mir vorhin erw\u00e4hnten \u201eKr\u00e4fte\u201c fehlt. Er kann sich selbst nicht bis dahin nachsp\u00fcren, begreift weder die eigene Ohnmacht, noch die eigenen F\u00e4higkeiten bis zu ihrem jeweiligen Grund. Er begreift nicht, dass sich in dem Menschen, den er meint, die Akzidenzien der G\u00f6ttlichkeit manifestieren und das sogar so weit, dass sie ihm in seltenen Momenten sogar als inneres Bild sichtbar werden. Hier tritt allerdings das Verh\u00e4ngnisvolle der Religion zutage indem sie das, was der Mensch erlebt, nicht als Verdeutlichung seiner selbst gelten lassen will, sondern es irgendeinem \u201eGott\u201c zuschreibt. Aber da dies durchweg und in allen Religionen geschieht, kann man es Dawkins wohl nicht anlasten \u2013 es bed\u00fcrfte eines weiteren Horizontes als er ihn hat, um auf diesen Betrug zu kommen \u2013 immerhin, da mir dies m\u00f6glich war, d\u00fcrfte es allgemein nicht unm\u00f6glich sein. Es wird also wohl an seiner gutb\u00fcrgerlichen Selbstbeschr\u00e4nkung auf offiziell vorgegebene Ansichten liegen, dass er nicht darauf kommt. Seine Kritik bezieht sich auf die \u201eMeinung von&#8230;\u201c, nicht etwa auf die Sache selbst.<\/p>\n<p>Aber \u201eSciencefiction\u201c, wie Benedikt XVI es erst neulich genannt hat, ist das alles auch nicht. Denn nichts davon greift gedanklich \u00fcber sich selbst hinaus, alles bleibt im Rahmen b\u00fcrgerlicher Denkgewohnheiten und damit letztenendes perspektivlos. Man reibt sich ein bisschen wohlig an der harten Rinde eines monotheistischen Religionsbegriffs, aber im Grunde geschieht nichts Ernsthaftes. Man ist dagegen \u2013 nun gut, man ist gegen Manches. Aber das Ph\u00e4nomen selbst hat man nicht einmal angekratzt. Man ist im Gegenteil glatt und bruchlos auf den Betrug hereingefallen, hat ihn nicht einmal bemerkt, als man ihn sozusagen unterm Messer hatte. Und damit ist das Schicksal eines naiven Atheismus denn auch entschieden. Er bleibt Oberfl\u00e4che. Er bleibt Traditionalismus. Er bleibt infantile Opposition. Nat\u00fcrlich gibt es keinen Gott. Nat\u00fcrlich ist das Universum nicht erschaffen. Nat\u00fcrlich ist die Welt mehr als sechstausend Jahre alt. Nat\u00fcrlich f\u00fchren die Religionen zumeist Mumpitz auf \u2013 aber mit diesem Mumpitz beerdigen sie weltweit auch das Streben des Menschen nach seiner eigenen wahren Natur, die n\u00e4mlich genau dies ist. was sich der Mensch als Gott zurecht gelegt hat \u2013 oder wenigstens so ungef\u00e4hr. Er sp\u00fcrt es in sich und kann es sich selbst nicht glauben, weil die Religionen \u2013 und auch der Atheismus \u2013 ihn daran hindern. Es ist nicht genau so, wie es die Religionen beschreiben, sie tun manch Abenteuerliches hinzu. aber es ist doch weitestgehend eben auch genau so, wie man es sich vorgestellt hat: ein unsterbliches Dasein und je nachdem auch ein allm\u00e4chtiges und allwissendes \u2013 nur nicht im Rahmen dieser Welt, nur nicht im Rahmen des Menschseins. Das, was wir da gefunden haben, weist weit \u00fcber den Augenblick hinaus in dem wir es fanden, weist uns in eine andere, uns bis dato vielleicht unbekannte Wirklichkeit in der wir erst voll das sein werden, was wir sind. Ich habe das, weil es eben die Existenz eines einzigen alles beherrschenden transzendenten Gottwesens bestreitet, aber die Existenz eines unendlichen Lebendigen, das seiner selbst fortlaufend bewusst wird. anerkennt, spirituellen Atheismus genannt und musste mir daf\u00fcr niedrigste Unterstellungen gefallen lassen, wie sie nur aus dem Hirn eines religi\u00f6sen Traditionalisten primitivster Pr\u00e4gung entstehen konnten \u2013 aber das reicht wohl dann nicht aus, meine Beschreibung des spirituellen Atheismus vom Gegenstand her zu widerlegen \u2013 denn mit derart tr\u00fcben Unterstellungen gibt sich diese nicht ab.<\/p>\n<p>Allerdings kann ich auf der anderen Seite auch nicht gut anders, als Richard Dawkins zu w\u00fcnschen, dass er in sich dieser Sph\u00e4re selbst erkennen m\u00f6ge&#8230; man ist dazu nie zu alt, ich pflege zu sagen: Schluss ist, wenn der Sargdeckel zuf\u00e4llt. Ihm aber w\u00fcnsche ich, obgleich ich es nicht glaube, noch viele von Neuigkeiten erf\u00fcllte Tage und Jahre\u2026 und ich w\u00fcnsche ihm, dass er sich seiner Pioniertat endlich auch bewusst werden m\u00f6ge<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Berlin im April 2016<\/p>\n<p>Juliane Bobrowski<\/p>\n<div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 0;float:none;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.erkenntnis.pub\/blog\/?p=832\" send=\"false\" layout=\"like\" width=\"450\" show_faces=\"true\" font=\"arial\" action=\"\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Richard Dawkins zum F\u00fcnfundsiebzigsten Ehrlich \u2013 ich beneide ihn um die Naivit\u00e4t, mit der er alles, aber auch alles von dem Universum erwartet, das ihn umschlie\u00dft. 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