{"id":429,"date":"2014-05-25T09:58:09","date_gmt":"2014-05-25T08:58:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.erkenntnis.org\/blog\/?p=429"},"modified":"2014-09-27T21:08:20","modified_gmt":"2014-09-27T20:08:20","slug":"ueber-die-wege-und-irrwege-des-glaubens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.erkenntnis.pub\/blog\/?p=429","title":{"rendered":"\u00dcber die Wege und Irrwege des Glaubens"},"content":{"rendered":"\n<!-- FB Like Button Starbit IT Solutions BEGIN -->\n<div class=\"fb-like\" data-href=\"https:\/\/www.erkenntnis.pub\/blog\/?p=429\" data-layout=\"standard\" data-action=\"like\" data-show-faces=\"false\" data-size=\"small\" data-width=\"450\" data-share=\"\" ><\/div>\n<!-- FB Like Button Starbit IT Solutions END -->\n<p>Ohne Glauben, sagen die Gl\u00e4ubigen, gehe die Welt zugrunde und sie meinen damit nat\u00fcrlich ihre Welt. Aber dennoch ist nicht ganz falsch, was sie sagen, auch wenn sie das nicht meinen: ohne Glauben, also ohne Vertrauen darauf, dass Dieses oder Jenes wahr, respektive unwahr sei, dass Dieses oder Jenes m\u00f6glich oder unm\u00f6glich w\u00e4re, k\u00e4me insbesondere der Mensch, der wie kein anderes Lebewesen auf Erden auf Glauben angewiesen ist, nicht vom Fleck.<br \/>\nIm Deutschen hat das eine Wort Glauben sehr nuancenreiche Bedeutungen. Es meint einmal das Vertrauen in eine bestimmte Aussage, dass sie wahr, respektive unwahr sei. Es meint aber auch die blo\u00dfe Vermutung eines Tatbestandes oder eines Sachverhaltes, die jederzeit zur\u00fcckgenommen oder auch best\u00e4tigt werden kann.<br \/>\nWas immer aber ein Mensch auch glaubt, sein Glaube strebt im Grunde nach Aufhebung des Glaubens durch Wissen. Der Mensch glaubt der Wahrheit einer Aussage, bis sich herausstellt, dass sie unwahr ist, dann glaubt er ihrer Unwahrheit bis sich herausstellt, dass sie sich nicht in allem Punkten geirrt hat, als sie sich im Fazit irrte. So relativiert er seine F\u00e4higkeit zu glauben und lernt sie eben dadurch auch in ihren Facetten kennen. Der Mensch vertraut der Information durch einen Anderen bis sich herausstellt, dass diese Information richtig war oder dass sie, absichtsvoll oder nicht, auf falschen Annahmen beruhte \u2013 die ihrerseits geglaubt wurden. So kann Glauben eine Kette falscher Reaktionen ausl\u00f6sen, wenn einer dem anderen glaubt, was er erz\u00e4hlt, und das, was er erz\u00e4hlt, entspricht nicht oder nicht in G\u00e4nze der Wahrheit. Aber Glauben kann L\u00fcgen und Irrt\u00fcmer auch zerst\u00f6ren, indem n\u00e4mlich dem geglaubt wird, der die Wahrheit spricht und dies, die Wahrheit, l\u00e4sst sich \u00fcberpr\u00fcfen, muss nicht geglaubt werden. Wie wir sehen, ist Glauben immer etwas Vorl\u00e4ufiges, auf die Konfrontation mit Wissen Angewiesenes. Er kann zudem immer und st\u00e4ndig in einer Katastrophe enden \u2013 wenn sich erweist, dass das fest Geglaubte ein vielleicht sogar absichtsvoll konstruiertes L\u00fcgengeb\u00e4ude ist.<br \/>\nIm t\u00e4glichen Leben l\u00e4sst sich die Probe aufs Exempel teilweise mit einiger M\u00fche, aber eigentlich immer durchf\u00fchren. Wer die Wahrheit erfahren will, der erf\u00e4hrt sie auch und sei es aus den Bestandteilen der L\u00fcge selbst, sobald er einmal wei\u00df: hier wurde gelogen. Auch Irrt\u00fcmer lassen sich, wiewohl geglaubt, nicht endlos aufrechterhalten, an irgendeinem Punkt steht die Sache selbst der Fortsetzung des Irrtums entgegen wie zum Beispiel die Pal\u00e4ontologie dem Glauben, die Welt sei in sechs Tagen so erschaffen worden wie sie noch heute beschaffen ist. Das erste Fossil war das Todesurteil f\u00fcr diesen Glauben und die Liste lie\u00dfe sich fortsetzen, in der Erkenntnis zum Tod des Glaubens gef\u00fchrt hat. Die Religionen namentlich des Nahen Ostens sind ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie Erkl\u00e4rungsversuche des Glaubens durch Erkenntnisse der Wissenschaft ins Reich der Fabel verwiesen wurden und auch immer noch werden, man denke an die im katholischen Christentum immer noch dogmatisch zu glauben vorgeschriebene Jungfraugeburt und die ebenfalls dogmatisch vorgeschriebene Auferstehung Jesu von den Toten. Die Wahrheit ist, es ersteht niemand von den Toten auf, wer von den Toten aufersteht, der war nicht tot und es gibt auch f\u00fcr Maria keine Ausnahme von der Tatsache, dass mit der Zeugung die Jungfr\u00e4ulichkeit endet. Indessen hat diese Sage ihre Parallele sogar ein halbes Jahrtausend fr\u00fcher in der Geburt des Buddha, der jungfr\u00e4ulich aus der H\u00fcfte seiner Mutter hervorgegangen sein soll. Dennoch und obgleich beide Dinge und andere total unwahrscheinlich sind und bleiben, m\u00fcssen sie von jedem, der sich guten Gewissens Christ nennt, geglaubt werden. Aber damit nicht genug: in allen Religionen gilt, dass sie ohne Glauben an eigentlich unwahrscheinliche Dinge nicht bestehen k\u00f6nnen. Und damit ist dem Glauben dann die Grenze gewiesen. Sofern es sich um Dinge handelt, die \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnen, ist etwas zu glauben als Vermutung legitim. Wenn es aber darum geht, von vornherein Unwahrscheinliches dennoch f\u00fcr blanke Wahrheit anzunehmen und zu vertreten, ist die Grenze des Glaubens \u00fcberschritten und wird zum reinen Phantasiegebilde. Wer glauben muss, dass eine bestimmte Lehre \u00fcber aller Wahrscheinlichkeit steht, wird nicht ernst genommen werden k\u00f6nnen, denn ihm fehlt der Erweis des Wissens um die Dinge, von denen er \u00fcberzeugt ist.<br \/>\nNun, wird ein heller Verstand sagen, da habt ihr euch aber selbst ins Knie geschossen, liebe Gnostiker, denn eure Behauptung einer geistigen Realit\u00e4t kann man ja auch nicht nachpr\u00fcfen. K\u00f6nnte man es nicht, wir w\u00fcrden nicht darauf beharren. Aber wir k\u00f6nnen es, wir k\u00f6nnen in Ursache und Wirkung uns selbst und anderen beweisen, dass unsere Annahmen der Wahrheit entsprechen. Jeder hat es und nicht nur einmal erprobt, dass unsere Annahmen keine Luftnummern oder dogmatische Festlegungen sind, der selbst in der Lage war, die Grenzen von Raum und Zeit zu \u00fcberwinden und zu erfahren, dass es wirklich und wahrhaftig nichts Verborgenes gibt, das sich nicht aufdecken l\u00e4sst und zwar gilt das vom Menschenherzen ebenso wie von den Gegebenheiten des Weltganzen, denn eines ist der Spiegel des Anderen und eines ohne das Andere ohne Belang. Das Weltganze existiert weil das Leben existiert, das Leben aber kann in eines jeden Menschen Herzen ergr\u00fcndet werden und so auch das Weltganze. Man muss nichts glauben.<br \/>\nMehr noch \u2013 man, jeder kann, vorausgesetzt er legt Wert darauf, den Sachverhalt an seinen Wirkungen und Auswirkungen verifizieren und, f\u00e4ngt er es absichtlich verkehrt an, auf falsifizieren. Wir sind in einer langen Geschichte der Wissenschaft von der Erkenntnis nur ein Posten mehr, der diesen Sachverhalt erweist. Aber wir m\u00fcssen keineswegs darauf verzichten, weil andere ihn bereits erwiesen h\u00e4tten, sondern wir k\u00f6nnen ihn uns gern und wann immer, selbst erneut erweisen. N\u00f6tig ist dazu nur, dass wir unsere wahre Natur erkennen und erfahren, dass wir uns selbst ernst nehmen und uns selbst vertrauen \u00fcber allen Glauben, \u00fcber alle Vermutungen von M\u00f6glich und Unm\u00f6glich hinaus. Allerdings ist der Glaube an einen \u00fcber uns waltenden Gott einer solchen Haltung wenig hilfreich, da eine solche Annahme uns in unserer eigenen Zust\u00e4ndigkeit beschr\u00e4nken k\u00f6nnte. Daher war es auch die \u201esatanische\u201c Botschaft der Gnosis, den traditionellen Begriff der monotheistischen G\u00f6ttlichkeit zu suspendieren und den Menschen nicht als den einer solchen unterworfenen Kreatur, sondern als ein einer solchen gegen\u00fcber m\u00fcndiges Subjekt zu begreifen, das einen solchen Gott weder verehrt noch sich ihm in irgendeiner Weise unterordnen muss. Nat\u00fcrlich ist die Folge dessen, dass es einen solchen Gott in der Gnosis nicht gibt, stattdessen nimmt jeweils an seinem Ort jeder Mensch den Platz Gottes vollumf\u00e4nglich ein und ist f\u00fcr sich selbst alles das, was er an \u201eGott\u201c zu akzeptieren bereit ist. Er wird feststellen, dass es signifikante Unterschiede zwischen dem gibt, was man gemeinhin annimmt und was er selbst annehmen kann. Dazu bedarf es keiner besonderen M\u00fche, sondern all das ist er aus seiner Existenz heraus, die ja weit mehr ist, als nur biologisch definiert. Aber an diese Existenz muss er nicht glauben &#8211; er erf\u00e4hrt sie in tausend Einzelheiten und man kann nicht sagen, dass ihm das immer auch angenehm sein muss \u2013 es kann ihn verwirren, herausfordern, auch er muss lernen, diese Existenz zu erschlie\u00dfen, aber sie gibt ihm auch ein Grundgef\u00fchl der Geborgenheit im Nichts, der Sicherheit im Ungewissen, die er in sich selber findet. Sie nimmt ihm die Angst vor dem Tod, denn das Ende des biologischen Kreislaufes beendet sein Leben nicht. Das wei\u00df er, denn er ist gestorben, ehe er begriff was das Leben ist und sein bewusstes Ja zu diesem sprach. Aber .- er wird die rote Linie des Glaubens nie mehr \u00fcberschreiten. Glauben wird f\u00fcr ihn immer nur die Vorstufe dessen sein, von dem er sich Gewissheit erhofft, oder das er aufgrund erwiesener Wahrhaftigkeit als glaubw\u00fcrdig akzeptieren kann. Einen Glauben an&#8230;. allerdings wird er in sich nicht mehr vorfinden und er wird ihn auch, und das halte ich f\u00fcr sehr wichtig, nicht im Geringsten vermissen.<\/p>\n<div id=\"wp_fb_like_button\" style=\"margin:5px 0;float:none;height:100px;\"><script src=\"http:\/\/connect.facebook.net\/en_US\/all.js#xfbml=1\"><\/script><fb:like href=\"https:\/\/www.erkenntnis.pub\/blog\/?p=429\" send=\"false\" layout=\"like\" width=\"450\" show_faces=\"true\" font=\"arial\" action=\"\" colorscheme=\"light\"><\/fb:like><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ohne Glauben, sagen die Gl\u00e4ubigen, gehe die Welt zugrunde und sie meinen damit nat\u00fcrlich ihre Welt. 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